Wie sähe unsere Welt aus, wenn es mehr weise Menschen gäbe, mehr weise Regierungen? Wie sähe unser Leben aus, wenn wir etwas weiser wären?
Wie lebt man sein Leben weise? Wie lebten die Weisen des Daoismus und des Chan-Buddhismus? Wie die Weisen des Christentums? Wie die Weisen anderer Traditionen? Können wir aus ihrer Art zu leben Orientierung für unser eigenes Leben gewinnen?
Weisheit ist eines der Lebensziele im Qigong:
“Geschmeidig wie ein Kind, gesund wie ein Holzfäller, gelassen wie ein Weiser”.
Doch ist Weisheit nicht an ein bestimmtes Land gebunden. In allen (nicht nur den religiösen) Traditionen der Welt gab und gibt es Weise. Unbekannte Weise und solche, die verehrt wurden und verehrt werden wegen ihrer Sicht auf die Welt und sich selbst. Welche Geisteshaltung macht eine Weise bzw. einen Weisen aus?
Weise Männer und Frauen, so scheint es mir, achten heute wie früher nicht so sehr auf das, was andere ihnen vorgeben bzw. vorgeben zu sein, auf ein von aussen vorgegebenes Sollen. Sie verwirklichen vielmehr das, was sie in ihrem eigenen Inneren finden, ihr ureigenes Sein. Nach unserem Tod wird man uns nämlich nicht fragen: Warum bist du nicht dieser oder jener gewesen? Man wird uns fragen: Warum bist du nicht du selbst gewesen? (frei nach der chassidischen Erzählung von Rabbi Sussja)
Damit ist das Ratsuchen bei den Weisen von früher und heute wie das Lesen einer Wanderkarte, und die Wahl eines “weisen” Lebens ein Weg zu uns selbst und den uns selbst innewohnenden Lebenskräften.

